Spielraum LE

Seite des Vereins Spielraum LE e.V.

 

Auf fast allen Seiten von Spielraum LE geht es um Rollenspiel. Hier möchten wir Gästen einen Einblick geben, um was es sich eigentlich beim Rollenspiel handelt.

Was ist Rollenspiel?

Rollenspiel ist ein Gesellschaftsspiel, in dem, wie es der Name schon sagt, jeder Spieler die Rolle eines bestimmten Charakters übernimmt. Jeder Charakter hat sein eigenes Gesicht, das er der Außenwelt als sein wahres Ich präsentiert. Die Spannweite der Figuren, die der Spieler übernehmen kann, reicht vom mittelalterlichen Ritter über sagenhafte Zauberer bis hin zum mit Maschinen und Computern voll gestopften Menschen der Zukunft, der seine heutigen Grenzen längst hinter sich gelassen hat. Diese Beispiele geben einen ungefähre Beschreibung dessen ab, was einem Spieler im Verlauf des Spieles möglich ist, doch tatsächlich sind seine Möglichkeiten nur durch seine Phantasie und die Phantasie der Mitspieler beschränkt.

Wie funktioniert Rollenspiel?

Rollenspiel ist ein Spiel des Erzählens, des So-tun-als-ob. Es verlangt von seinen Spielern eine Menge Kreativität, Vorstellungsvermögen sowie ein wenig schauspielerisches Talent. In seiner Grundidee ist es den Räuber- und Gendarm-, den Cowboy- und Indianer- Spielen von Kindern verwandt. Im Gegensatz zu diesem “kindlichen” Rollenspiel gibt es hier ein paar Regeln, die vor allem dazu dienen, Streitigkeiten wie: “Päng! Päng! Du bist tot” – “Nein, bin ich nicht!” zu verhindern, und der Geschichte eine realistische Atmosphäre zu verleihen. Diese Regeln sind die Mechanismen des Spiels, die über die Stärken und Schwächen eines Charakters sowie den Erfolg oder Misserfolg einer Handlung entscheiden.
Rollenspiel wird in Gruppen von bestenfalls vier bis sieben Mitspielern gespielt. Es sind jedoch mindestens zwei Spieler nötig, nach oben gibt es keine Grenzen (bei Live-Rollenspielen auf Burgen wurden schon 300 und mehr Spielwütige gesichtet).
Ein Rollenspiel unterscheidet sich schon im Aufbau von anderen Spielen:

1. gibt es weder Spielbrett noch Spielsteine
2. muss eine Person der Spielleiter sein.

Der Spielleiter ist derjenige, der für den Verlauf der Geschichte, die Spannung, die Durchsetzung der Regeln vor allem aber für den Spaß der Spieler verantwortlich ist. Er ist das Auge und das Ohr der Spieler und beschreibt ihnen alles, was sie mit ihren Sinnen wahrnehmen sowie das, was als Ergebnis dessen, was die Spieler tun, geschieht.
Die Spieler schlüpfen in die Rollen ihrer Charaktere, die sie sich zuvor ausgearbeitet haben und die zu Beginn des Spieles aus ein paar Zahlen bestehen. Ihre Aufgabe ist es, den Charakteren Leben einzuhauchen und ihnen in der fiktiven Welt des Spielleiters zum Erfolg zu verhelfen, worin dieser auch immer bestehen mag.
Ein Rollenspiel endet nie. Zwar kann ein Charakter im Verlaufe einer Geschichte (wie im echten Leben) sterben, doch der Spieler kann sich immer wieder neue Charaktere erschaffen, solange er Lust am Spiel selbst hat.

Was will Rollenspiel?

Jeder hat schon ein spannendes Buch gelesen oder einen Film gesehen und sich dabei vorgestellt, er selbst wäre der “Held” dieses Werkes. Man erlebt in seinen Träumen die Abenteuer des Hauptdarstellers nach, doch man kann keinerlei Einfluss auf die Handlung der Geschichte nehmen: der tragische Held wird immer wieder mit geschlossenen Augen in den Tod gehen, so oft man die Geschichte auch ließt und so sehr man ihm eine Warnung zurufen mag.
Beim Rollenspiel wird diese passive Rolle des Lesers oder Zuschauers abgeschafft, dort hat der Spieler direkten Einfluss auf das, was sein Held in der Geschichte sagt oder tut. Er ist für den Erfolg oder das Versagen selbst verantwortlich. Durch das Erzählen einer eigenen Geschichte ist es uns möglich, Dinge aus einer völlig anderen Perspektive zu betrachten, unsere Kultur, unsere Familie in völlig neuen Zusammenhängen zu sehen und Dinge zu verstehen, die uns vorher nie aufgefallen sind. Wir sind in der Lage, unsere eigenen Grenzen weit hinter uns zu lassen, Gefühle auszuleben, wie sie in unserer heutigen behüteten Gesellschaft kaum mehr vorkommen. Im Spiel entdecken wir Facetten unserer Persönlichkeit, von denen wir bisher nicht einmal wussten, dass es sie gibt.
Diese (mögliche) Tiefe des Spiels macht es zu einer einzigartigen Freizeitgestaltung, die eine Faszination ausübt, die ihresgleichen sucht. Vor allem aber ist Rollenspiel ein kreatives, unterhaltsames Abenteuer für Jugendliche und Erwachsene, in dem sie die Spiele ihrer Kindheit auf professionelle Art und Weise fortsetzen können…

Dominik Becher